Doppelwehr Weilburg-Kirschhofen

Niedrige Wasserstände am Doppelwehr

v.01.02
Günther Wiehlmann
5.4.2021
© 2021 Heimat- und Wanderverein Kirschhofen e.V. (HuWV)

Inhaltsübersicht
1. Schilderung der Lage
2. Mögliche Ursachen des Mißstandes
3. Möglichkeiten zur Behebung
4. Anlagenbeschreibung
4.1 Schleusen-/ Wehranlage
4.2 Wasserkraftanlage
5. Lahnkonzept des WSA Koblenz

Schilderung der Lage

Das Lahn-Doppelwehr mit der daneben liegenden Schleuse gehört zu den Sehenswürdigkeiten Weilburg-Kirschhofens. Schleuse und Doppelwehr Kirschhofen liegen bei Lahnkilometer 45,54 unterhalb des Unterdorfs Kirschhofen und gehören zu den Sehenswürdigkeiten des Ortsteils.

Die Schleuse ist auf dem Landweg von Weilburg-Odersbach zugänglich, das Doppelwehr vom auf der Weilburg-Kirschhofen verlaufenden Leinpfad zu Fuß oder mit dem Fahrrad.


https://osm-nominatim.gs.mil/details.php?place_id=104444729
© http://www.openstreetmap.org

Von Anwohnern und Nutzern des Leinpfades wird beklagt, dass über die Wehre kein oder sehr wenig Wasser fließt. Die Folge ist, dass das zwischen und hinter den Wehren stehende Wasser kaum mit Sauerstoff durchsetzt wird, was zum einen unangenehm riecht, zum anderen den dort befindlichen Organismen die Lebensgrundlage raubt. Dem Ortsbeirat und dem FSV Oberlahn ist dieses seit langem bekannt.   

Ab dem 26.3.2017 wurde diese Tatsache vom Ortsbeirat mit WSA Koblenz, dem RP Gießen, dem Gewässerwart des FSV und dem Betreiber der WKA erörtert und es wurde um mehr Information gebeten.

Auskunft des RP Gießen: Die Firma Elikraft AG hat eine bis zum 31.12.2020 befristeten Bewilligung für die Entnahme von max. 38 m³/s Wasser aus dem Schleusenkanal. Über die Wehranlage ist ständig ein Abfluss von ca. 1 m³/s zu gewährleisten.

Auskunft der Elikraft AB: Dass die Wehrüberflussmenge von 1 m³/s nicht unterschritten wird stellt eine Messung mit einer eigens dafür installierten Wasserstandssonde sicher, die sich an der Spitze der Schleuseninsel befindet. Nähere Angaben zum genauen Standort wurden aus Sicherheitsgründen nicht gemacht.

Das RP Gießen hat darum gebeten, entsprechende Wasserstände an der Wehrkrone zu fotografieren und die Fotos mit Aufnahmedatum und Uhrzeit an das RP Gießen zu schicken. Die eMail Adresse kann bei mir erfragt werden (Guenther.Wiehlmann@t-online.de).

Der Bürgermeister der Stadt Weilburg wurde im letzten Jahr vom Ortsbeirat Weilburg-Kirschhofen darüber informiert, dass das Abkommen mit dem Kraftwerksbetreiber zum 31.12.2020 ausläuft.

Mögliche Ursachen des Mißstandes

Wasserstand und Durchflussmenge der Lahn bestimmen sich aus Niederschlägen, Zuflüssen, Entnahmen, Versickerung und Wasserverdunstung. Die Pegelmeßstation für die Lahn befindet sich in Leun. Dort können die für Weilburg geltenden Wasserstände abgerufen werden.

Zwischen Leun und der Schleuse Kirschhofen liegen die Schleusen Löhnberg und Weilburg. Die Schleusenanlage Löhnberg besteht ähnlich wie Kirschhofen aus einer Wehr- und einer Schleusenanlage. In Weilburg umfließt die Lahn den Stadtkern über 2 Wehre, eines an der steinernen Brücke, an der sich auch mit der Brückenmühle ein Wasserkraftwerk befindet. Das zweite Wehr befindet sich an der Kirchhofesmühle, dem zweiten Wasserkraftwerk in Weilburg.

Vereinfachend kann man sagen, dass für alle betrachteten Schleusen-, Wehr- und Kraftwerksanlagen gilt:
Die Menge des Oberwassers ist gleich der Menge des Unterwassers. Oder auch:
Alles, was nicht durch Schleuse oder Kraftwerk läuft, fließt über das Wehr.

Der Wasserverbrauch einer Schleuse ist im Vergleich zum Durchsatz eines Wasserkraftwerks gering. Etwaige Undichtigkeiten des Wehrs können für diese grobe Betrachtung vernachlässigt werden.

Hauptursache für den Wassermangel an der Wehrkrone scheint der vom Kraftwerksbetreiber gesteuerte Wasserverbrauch der Turbinenanlagen zu sein. Dabei kann es möglich sein, dass der Betreiber sich an mehr an dem zugestandenen Ausbauabfluss von 38,0 m³/s als der Maßgabe des Regierungspräsidiums, über der Wehranlage einen ständigen Abfluss von ca. 1 m³/s zu gewährleisten ist (Zitat Schreiben des RP Gießen vom 6.4.2017).

Möglichkeiten zur Behebung

Bei pragmatischer Herangehensweise könnte man wie folgt vorgehen:

  1. Man installiert vor dem ersten Wehr permanent ein Pegelmessgerät.
    Der Betreiber der Wassermühle teile mit, dass er bereits ein solches Gerät habe.
  2. Man drosselt der Turbinen, bis die Wehrkrone der Vorgabe entsprechend überflutet wird und notiert entsprechende Pegelstände.
  3. Man steuert den Turbinendurchsatz durch Verwendung dieser Soll-Pegelstände. Eine programmatische Kopplung mit dem Pegelmeßgerät sollte beim heutigem Stand der Prozeßrechnertechnik sehr kostengünstig möglich sein.
  4. Aus Gründen der Transparenz veröffentlicht man den Pegelstand fortlaufend im Internet, was ebenfalls kostengünstig möglich ist.

Anlagenbeschreibung

Schleusen-/ Wehranlage

Die Schleuse wird durch das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Koblenz, Außenbezirk Wetzlar, verwaltet und steht unter Denkmalschutz.

Zum Schleusenkomplex zählen die Kammerschleuse, der Schleusenkanal, ein Schleusenwärterhaus mit Nebengebäude und zwei Lahnwehre.

Staustufe Kirschhofen, Quelle: WSA Koblenz
von links nach rechts: Schleusenwärterhaus, Schleusenkammer, Wasserkraftanlage
ganz rechts hinten Doppelwehr und Gleise der Lahntalbahn
Ansicht in Richtung Nord

Die Schleuse und das Doppelwehr Kirschhofen wurden in einem Bereich gebaut, in dem die Lahn aufgrund ihres Gefälles in der Vergangenheit besonders schwer schiffbar war. Die Bauwerke sollen den Fluss lückenlos mit Schiffen befahrbar machen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Lahnschleusen wurden sie damit nicht erbaut, um bestehende Mühlwehre für Schiffe passierbar zu machen.

Die heutige Kammerschleuse und die Wehre wurden in den Jahren 1856 bis 1859 erbaut. Die Schleuse ist 34 Meter lang, 5,34 Meter breit und besitzt eine Fläche von circa 200 Quadratmetern. Das Lahngefälle beträgt an dieser Stelle 3,54 Meter. Anders als andere Lahnschleusen, beispielsweise in Limburg oder Runkel, besaß die heutige Schleuse keinen Vorgängerbau.

Der Schleusenkanal entstand im Zuge des Baus der Schleuse Kirschhofen. Durch seinen Bau entstand die Schleuseninsel, die zuvor Teil des Festlandes war. Das westliche Ufer der Schleuseninsel, sowie das gegenüberliegende Ufer des Festlandes, bilden den Kanal.

Dieser Kanal erfuhr seit 1987 entschiedene Änderungen. Im Bereich vor der Schleusenkammer wurde er stark in Richtung Osten verbreitert, indem ein Teil der Schleuseninsel entfernt wurde. Die entfernte Fläche betrug circa 0,23 Hektar. Durch diese Maßnahme wurde ein Zulauf für das neu erbaute Wasserkraftwerk Kirschhofen errichtet, das somit über den Schleusenkanal mit Wasser versorgt wird.

Zur Schleuse Kirschhofen gehört ein Schleusenwärterhaus. Dieses Gebäude wurde mit dem Bau der Schleuse zwischen 1856 bis 1859 errichtet. Das eingeschossige Haus besitzt Wände in Massivbauweise und einen Keller. Des Weiteren zeichnet es sich durch ein Satteldach mit Schieferdeckung aus. Es hat einen Erker, wie auch viele andere Schleusenwärterhäuser an der Lahn. Dieser Erker ermöglichte dem Schleusenwärter freie Sicht auf die Wasserstraße.

Das Gebäude steht nicht auf der Schleuseninsel, sondern auf dem Festland, in der Straße „Schleuse“. Direkt an das Schleusenwärterhaus angrenzend befindet sich ein kleineres Nebengebäude, welches zwischen 1868 und 1905 errichtet wurde. Dieses steht, wie das Hauptgebäude, ebenfalls unter Denkmalschutz.

Das Schleusenwärterhaus befindet sich heute in gutem baulichem Zustand. Es dient privaten Zwecken, ein Schleusenwärter ist nicht mehr anwesend.

Quelle:    „Schleuse Kirschhofen bei Weilburg”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital.
URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-265497
(Abgerufen: 4. April 2021)

Wasserkraftanlage

Die Beschreibung der Wasserkraftanlage ist dem Dokument des Wasser- und Schifffahrtsamt Koblenz (WSV) vom Februar 2019
„Living Lahn (LiLa), Anlage 17“ entnommen..

Eigentümer und Betreiber der Wasserkraftanlage Kirschhofen ist die ELIKRAFT AG. Die Anlage wurde am 5.4.1990 erbaut/ umgebaut. Das Wasserrecht besteht seit dem 5.4.1990 und war bis zum 31.12.20 befristet.

Die WKA verfügt über einen Ausbauabfluss von 38 m³/s und eine Ausbauleistung von 1.084kW. Eingebaut sind 2 Kaplanturbinen.

Luftbild Staustufe Kirschhofen, Quelle Luftbilder: Bundesamt für Kartographie und Geodäsie

Eigentümer/Betreiber: ELIKRAFT AG
Baujahr (und ggf. Umbaumaßnahmen): 05.04.1990
Ausbauabfluss: 38,0 m³/s
Ausbauleistung: 1.084 kW
Anzahl der Turbinen: 2
Turbinentyp: Kaplan
Wasserrecht besteht seit: 05.04.1990
Altrecht (ja/nein): nein
Befristung: 31.12.2020

Lahnkonzept des WSA Koblenz

Zu guter Letzt sei noch eine weitere Quelle erwähnt, in der wichtige Gedanken zum weiteren Betrieb der Bundeswasserstraße Lahn zusammengefasst wurden und das für Anwohner, Wassersportler, Sportfischer, Wanderer zur Lektüre empfohlen wird.

Das Wasser- und Schifffahrtsamt Koblenz (WSA) hat ein Lahnkonzept entwickelt, das Entscheidungsfindung für die zukünftige Nutzung und Unterhaltung der Bundeswasserstraße Lahn auf einer Länge von ca. 149 km vom Badenburger Wehr bei Gießen (km – 11,075) bis zur Mündung in den Rhein bei Lahnstein (km 137,300) dienen soll.

Derzeit werden die Lahnufer, Schleusenanlagen und der Leinpfad vom WSA gepflegt. Bereits seit 1981 wird die Lahn nicht mehr für den Güterverkehr genutzt. Details sind an folgender Stelle nachzulesen:

https://www.lila-livinglahn.de

Im Februar 2019 wurde als Teil des Konzeptes Anlage 17: Staustufe Kirschhofen veröffentlicht.

Ein Kommentar zu “Doppelwehr Weilburg-Kirschhofen

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